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Reisefreiheit ohne weitere Rechte:
Zur Situation und Selbstorganisation von MigrantInnen aus Bulgarien

Freitag, 25. März, um 19.30 Uhr im DGB-Haus in Frankfurt, Wilhelm Leuschner Str. 69 -77, Wilhelm Leuschner Saal B

Veranstaltungsflyer als PDF: bulgarien-flyer

Seit dem 1.5.2007 ist Bulgarien – wie auch Rumänien – EU-Mitgliedsstaat, seitdem verfügen bulgarische – wie auch rumänische – Staatsangehörige über Reisefreiheit innerhalb der EU, zumindest zu touristischen Zwecken und sehr eingeschränkt auch zur Arbeitsaufnahme. Angesichts der Armut und hohen Arbeitslosigkeit, die sich mit dem EU-Beitritt sowie durch die Folgen der Weltwirtschaftskrise in vielen Teilen der südosteuropäischen Länder noch verschärft haben, versuchen mehr und mehr Menschen aus diesen Regionen, in Westeuropa ein besseres Einkommen zu finden.
Wachsende MigrantInnen-Communities aus Bulgarien finden sich mittlerweile in den meisten deutschen Grossstädten, auch in Frankfurt. Sie sind zwar in der Regel nicht von Abschiebungen oder Ausweisungen bedroht, denn sie können sich (wiederholt) für drei
Monate hier aufhalten. Aber sie haben keinen freien Zugang zum Arbeitsmarkt und schon gar nicht zu den hiesigen Sozialsystemen. Wer einen Job aufnehmen will, muss faktisch entweder ohne Genehmigung und damit auch ohne Sozialversicherung arbeiten oder schlägt sich mittels Gewerbeschein als „selbständige Ein-Personen-Subfirma“ durch.
Extreme Ausbeutung und Lohnbetrug sind häufige Folgen dieser Rechtlosigkeit und Scheinselbständigkeit, die auch MigrAr  Frankfurt als gewerkschaftliche Anlaufstelle im ersten halben Jahr ihrer Beratungsarbeit schon mehrfach erleben konnte. In München
gibt es mit der Initiative Zivilcourage sowie der Beratungsstelle „Sans Papier“ von VerDi zwei Projekte, die seit 2009 insbesondere mit selbstorganisierten MigrantInnen aus Bulgarien für gleiche Rechte und bessere Arbeits- und Lebensbedingungen streiten.
Wir haben für den 25.3. KollegInnen und Selbstorganisierte aus München eingeladen, um uns von den dortigen Erfahrungen berichten zu lassen und darüber zu diskutieren, was wir auch für Frankfurt davon lernen können. MigrAr Frankfurt wird an dem Abend einleitend die eigene Beratungsarbeit der ersten Monate bilanzieren sowie in die rechtlich-soziale Situation der MigrantInnen aus Bulgarien in Deutschland einführen. Alle Interessierten sind ganz herzlich eingeladen.